Wie gestalte und nutze ich einen eventbegleitenden Blog?

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Veranstaltungen über Social Media live zu begleiten ist inzwischen schon relativ gängig – ein paar Bilder, Infos und Links über Facebook, Twitter und Co. Sie sind für den Moment gedacht. Häufiger wird auch den Wunsch geäußert, das in einem eigenen Blog zu tun, der ggf. in eine separate Seite für das Event eingebettet ist. Das hat den Vorteile: Sie ist für alle im Netz zu sehen, nicht nur für die Nutzer/innen der jeweiligen Social Media, man kann mehr Informationen besser festhalten und verbinden und diese sind leichte wieder auffindbar und verschwinden nicht einfach im Stream. Zudem kann man ihn später als Veranstaltungsdokumentation und -archiv benutzen und einfach darauf zurückgreifen.

Ein Blog ist qua Definition eine fortlaufende, zusammenhängende Veröffentlichung im Netz, die aus einzelnen Beiträgen oder Einträgen, (Blog-)Posts genannt, besteht. So muss man vorher einige Überlegungen anstellen um zu sehen, ob einen Event-Blog a) überhaupt sinnvoll ist, und b) wie man ihn dem Zweck entsprechend gestaltet.

Unter welchen Voraussetzungen ist ein Eventblog überhaupt sinnvoll?

  • Die Veranstaltung geht über mehrere Tage, oder länger und umfasst mehrere Einzelevents. Das kann zum Beispiel eine umfangreichere Konferenz zu einem Überthema oder eine Veranstaltungsreihe sein. Für einen einfachen Liveblog für ein Ereignis oder auch Post zu einem Event nutzt man sinnvoller Weise vorhandene Seiten – z.B. wie hier.
  • Das Zielpublikum ist online-affin und nutzt diese Webdokumentation auch, eventuell im Zusammenhang mit einem Live-Stream.
  • Man hat inhaltlich etwas zu sagen, dass einen Blog überhaupt interessant macht (mehr dazu weiter unten). Man muss sich die Frage stellen: Wozu will ich den Blog genau benutzen? Will ich nur Temine und aktuelle Orga-Infos bekannt geben? Oder will ich in dem Blog die Veranstaltung dokumentieren, zusätzliche inhaltliche Informationen und Hintergründe darstellen, sie nach Außen sichtbar machen, und später als Dokumentation / Archiv bewahren?
  • Es ist entweder Fachpersonal vorhanden oder ein Budget, um dieses extern zu bezahlen. Um einen Eventblog zu gestalten benötigt man ein gewisses Know How – das kann nicht einfach der Praktikant nebenbei machen. Es ist besser, kein Eventblog zu machen als ein unprofessionellen. Termine wie Raumänderungen etc. kann man auch über die Sozialen Netzwerke bekanntgeben, oder man nutzt Plattformen wie mixxt.de, um Organisatorisches jenseits einer eigenen Website und interner Kommunikation zu erledigen (Beispiel: Barcamp Frauen).
  • Wie richtet man einen Eventblog ein?

    Zentral ist die Anbindung an vorhandene Websites, weil sonst der Blog nicht gefunden wird. Man muss an Stellen in der eigenen Website, die von den Interessierten auch gelesen werden, auf den Blog hinweisen, auf der Startseite, im Seitenstreifen, in der Ankündigung etc., ebenso über alle schon genutzten Social Media Kanäle.

    Technisches

    Eine Möglichkeit ist es, den Blog unter einer vorhandenen Domain einzurichten. Unter gängigen Content Management Systemen wie WordPress ist es erstmal nicht möglich, mehr als einen Blog einzurichten. Der wird dann meistens für aktuelle Informationen auf der Startseite oder eine „News“-Kategorie genutzt. Hier kann man allerdings, wenn man nicht es nicht richtig kompliziert machen will, Tags und Kategorien benutzen und diese unter einer neuen Kategorie mit dem Eventnamen auf dem Blog anbieten, so dass dort nur die Einträge zum Event erscheinen (am einfachsten wie in diesem Beispiel, was sich allerdings weniger für schon vorhandene Seiten mit Blog eignet). Das ist eine wenig aufwendige und nicht die schlechteste Lösung.

    Die eleganteste Lösung für eng mit einer Website verbundene Events ist die Einrichtung des Blog unter einer Subdomain dieser Seite, z.B. http://re-publica.de/http://12.re-publica.de/ (wobei in diesem Fall zusätzlich zu einer Subdomain noch eine Kategorie „Blog“ hinzugefügt wurde → http://12.re-publica.de/blog/) (Mehr zu Subdomains hier).

    Man kann auch eine neue Domain (für die man dann auch extra zahlen muss) für den Blog und ggf. das Archiv einrichten, die dann einen eindeutigen, leicht zu merkenden Namen bekommen sollte, oder man nutzt Plattformen von Anbietern wie WordPress.com oder Blogspot, die sich schneller und unkomplizierter nutzen lassen. Dann sieht die URL z.B. so aus: http://thespacebetweenusberlinstuttgart.wordpress.com/ (mehr dazu hier). Getrennte Websites empfehlen sich, wenn z.B. externe Blogbetreiber/innen nicht das Passwort der Hauptseite bekommen sollen oder generell zu viel Unübersichtlichkeit droht. Diesen externen Blog sollte man dann mit der Hauptseite der Organisator/innen und den Hinweisen zum Event dort verlinkt, ihn vielleicht sogar in einem Eintrag und / oder einem Link im Seitenstreifen bewerben, so dass die interessierten Leser diesen Blog auch finden. Wichtig ist auch, über vorhandene Social-Media-Kanäle auf die Existenz des Blog zu informieren. Mehr dazu, wie man einen Blog einrichtet hier.)

    Zeitrahmen und Design

    Der Blog sollte vor dem Start des Events fertig sein und beworben werden und während des Events mit aktuellen Infos befüllt werden. Danach dient er als Dokumentation. Man sollte sich vor dem Einrichten sehr genau überlegen, wie man den Blog nutzen will Im Idealfall überlegt man sich schon vorher. Wie will ich den Blog eventbegleitend nutzen und wie soll er als Archiv funktionieren? Dementsprechend müssen die Tags, Kategorien und Verlinkungen erstellt werden – man denkt also gleichzeitig das Aktuelle und das Danach. Die grafische Gestaltung sollte nicht nur übersichtlich und ansprechend sein, sondern auch optisch den Zusammenhang zur Hauptseite des Veranstalters herstellen bzw. ein eigenes passendes ansprechendes Design haben, was ggf. für andere Eventblogs des Veranstalters übernommen wird.

    Für einen einfachen Eventblog bietet sich meistens ein klassischer einspaltiger Blog an, wo die aktuellen Posts am weitesten oben stehen. In einer Seitenspalte können nützliche Links und Informationen statisch angegeben werden, ebenso in der Kategorienspalte Links zu statischen Seiten mit Informationen, die für die ganze Zeit Relevanz haben, wie z.B. Programm- und Zeitplan, Rednerliste, zu den Tickets und worum es bei dem Event überhaupt geht. Und natürlich auch ein Hinweis auf das Livestreaming, wenn es so etwas gibt. Man kann sich auch überlegen, ob man die Teilnehmer/innen jenseits der Kommentarfunktion zum Partizipieren am Blog anregen möchte, z.B. über eine Community. Hier ist allerdings auch wieder die Frage, ob das Überhaupt funktionieren kann im entsprechenden Rahmen und ob sich der zusätzliche Aufwand lohnt.

    Ein gelungenes, durchdachtes und professionell gemachtes Beispiel ist hier z.B. der Blog der Bloggerkonferenz re:publica. Allerdings wurde dieser nicht als Archiv für die Republica-Seite benutzt: Die findet sich gesondert, mit eigenen Inhalten, unter der Kategorie „Archive“ auf der Hauptseite der Re:publica. Deutlich spartanischer gibt sich da der Chaos Computer Club, der einen Blog für Events betreibt, bei dem es offensichtlich nicht um die Außenwirkung, sondern die pure Information für die Mitglieder bzw. Teilnehmer/innen geht.

    republica

    republica blog 2

    Beim Projekt „Überlebenskunst“, das im Haus der Kulturen der Welt stattfand, aber von einer eigenständigen Gruppe organisiert wurde, gab es eine Blog, http://www.ueber-lebenskunst.org/ der zu einem übersichtlichen Archiv umgewandelt wurde. Hier kann man die einzelnen Themen sehr gut finden. Schwachstelle: Auf der Hauptseite des HKW wird auf die Originaleinträge des Blogs verlinkt, die aber offenbar gelöscht wurden, so dass die Links von der HKW-Seite ins Leere gehen. Die richtige Lösung wäre es gewesen, die jeweiligen Einträge stehen zu lassen und von dort auf die Seiten im Archiv zu verweisen.

    ueberlebenskust

    Was passiert, wenn man dem Blog nicht genug Beachtung schenkt und sich vorher kein richtiges Konzept überlegt zeigt ein anderes Beispiel aus dem HKW, das eine tolle Gelegenheit für einen wunderbaren Eventblog verschenkt hat, der später zu einem viel genutzten Archiv hätte werden lassen können. Die Ausstellung / Konferenz „Kalifornien und das Verschwinden des Aussen“ fand im Rahmen des auf zwei Jahre angelegten Anthropozän-Projekts statt. Hier wurde der begleitende Blog unter „System Erde“ als studentisches Projekt durchgeführt, ohne weiterschauende Planung und Einbindung in ein Gesamtkonzept. Die grafische und inhaltliche Gestaltung sind ebensowenig gelungen: Der Blog ist flüchtig eingerichtet, unübersichtlich, es fehlen wichtige Informationen im Seitenstreifen und die Texte sind für Blogeinträge zu lang bzw. der Zusammenhang zum Ausstellungsinhalt unklar. Überhaupt wird nicht klar, wozu jetzt eigentlich der Blog da ist und grafisch fehlt eine „Corporate Identity“. Es wurde auch kein Archiv erstellt – das ist zwar nicht zwingend notwendig, aber bietet sich an, wenn man sich schon einmal die Arbeit gemacht hat, so viel Material zusammen zu tragen. Auch wurde so das Lernziel der Studierenden nicht erfüllt, da sie nicht wirklich etwas über das Bloggen gelernt haben. Dazu gehört eben mehr als Texte online stellen.

    Hier hätte sich ein durchdachtes Blogkonzept für das ganze, mehrjährige Projekt mit den verschiedenen Veranstaltungen, in deren Rahmen es wieder einzelne Veranstaltungen gibt, nahezu aufgedrängt. Es hätte die einzelnen Teile zusammengeführt und verbunden. Durch die mehrfache Verwendung für die einzelnen Ausstellungen / Konferenzen wäre es ökonomisch effektiv gewesen. Zudem wurde schon Geld investiert, um diverse Medien zu nutzen, die das Event zu dokumentieren. Das wäre Füllstoff für einen entsprechenden Blog gewesen – jetzt stehen sie verloren im Raum: Auf der Facebookseite wurden interessante Videos zum Thema gepostet, die sich teilweise auch in den Ankündigungen des Events auf der Hauptseite des HKW wiederfinden. Es wurden Videointerviews gemacht, die auf einem eigenen Youtube-Kanal zum Anthropozän-Projekt zusammengefasst sind. Der freie Radiosender reboot.fm, der im Haus ansässig ist, dokumentierte die Konferenz – diese Aufnahmen finden sich auf der Soundcloud-Seite des Senders und wurden später auch auf den Ankündigungsseiten verlinkt.

    In einem Blog hätte man all dies zusammenführen können, und so schon während der Ausstellung durch das Blogging mehr Interessanten aufmerksam machen und an sich binden können, die das Haus zu den jeweiligen oder darauffolgenden Veranstaltungen zu besuchen. Zudem hätte man ein wunderbares Archiv erstellen können, das sich ebenfalls positiv auf das Renommee des Hauses auswirkt und immer wieder Interessierte auf dessen Arbeit aufmerksam macht. Vorsichtig ist allerdings bei solchen Blogs bezüglich des Copyrights angesagt – das sollte im Zweifelsfall mit den Inhabern abgestimmt werden.

    Welche Inhalte stelle ich auf den Event-Blog?

    In den Event-Blog selber gehören vor allem aktuelle Informationen, die sich auf die Veranstaltungen beziehen. Das können neben Fotos, Audios, Videos und Rezensionen gerade abgelaufener Ereignisse z.B. Hinweistexte zu einzelnen Veranstaltungen sein, die diese genauer beschreiben und Lust darauf machen. Dazu können auch Hintergrundinformationen gehören. Jedoch sollten die Blogeinträge zwar Substanz haben, aber nicht zu lang sein: Ausführliche Essays sollten einen gesonderten Platz bekommen und durch einen Blogeintrag nur auf sie hingewiesen werden. Oder man kennzeichnet sie durch eine eigene Rubrik, die gleich zu Beginn ersichtlich ist. Generell bietet es sich bei einem Eventblog an, mit möglichst vielen Medien zu arbeiten: Neben Text eben auch Fotos, Video und Audio. Das macht den Blog neben den Texten interessant und lädt Leute ein, sich das auch anzuschauen. Zudem sollten Blogeinträge generell gut strukturiert sein, mit Zwischenüberschriften und auch deutlich abgehobenen Hinweisen auf den Termin und weitergehende Links. Mehr dazu, wie man einen Blogbeitrag gestaltet hier.

    Auf neue Blogeinträge sollte immer über die Sozialen Netzwerke hingewiesen werden – so werden auch immer wieder neue Leser/innen auf den Blog aufmerksam, wer den Blog schon kennt wird erinnert, wieder reinzuschauen und auf Neues aufmerksam gemacht. Über die sozialen Netzwerke können auch Terminänderungen etc. bekannt gegeben werden. Hier ist dann auch die Frage, ob man eine neue Seite in den Social Media einrichtet oder vorhandene der Veranstalter/innen nutzt. Ersteres bietet sich nur bei Veranstaltungen an, die über einen längeren Zeitraum gehen bei denen es kontinuierlich News gibt, oder für die sich kein anderer passender Social Media Kanal findet. Auf jeden Fall sollte hier ebenfalls immer auf der Hauptseite der Veranstalter/innen bzw. Teilnehmer/innen auf die Existenz des Blogs und ggf. der separaten Social Media Seiten hingewiesen werden. Wie man Facebookseiten gestaltet ist hier beschrieben.

    Wen soll ich mit dem Eventblogging beauftragen?

    Vielfach wird die Bedeutung der Außenwirkung von Bloggen und Social Media massiv unterschätzt und die Betreuung deshalb gern Praktikant/innen übertragen, oder auch unterbeschäftigen Mitarbeiter/innen, die das „nebenbei“ machen sollen und weder die benötigte Zeit noch die nötige Qualifikation und Erfahrung mitbringen.

    Für die Konzeption ist, soll sie professionell und ansprechend wirken, wie auch bei anderen Dingen, Fachpersonal notwendig. Neben dem professionellen Grundkonzept, dass von diesen entworfen wird, sollten Mitarbeiter/innen zumindest auch eine professionelle Schulung bekommen.

    Diese Investition lohnt sich nicht nur für das allgemeine Image, sondern lockt Interessierte zu den Veranstaltungen bzw. Folgeveranstaltungen der entsprechenden Organisatoren, die sich so als kompetent präsentieren können. Zudem macht es mehr Leute auf die Veranstaltung, das Thema und die dahinter stehende Organisation aufmerksam. Zudem könne ausgearbeitete und bewährte Konzepte immer wieder verwendet und ggf. dabei sogar noch verbessert werden.

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